Erlebnisbericht vom diesjährigen War-starts-here-Camp am Gefechtsübungszentrum (GÜZ) in der Altmark

Vom 25.-31. Juli 2016 fand am Gefechtsübungsplatz (GÜZ) in der Altmark das „War starts here-Camp“ statt. Eine Kommilitonin von uns war vor Ort und hat uns dankbarerweise einen Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt, den wir hier mit euch teilen möchten.

Allgemeine Info:

Das Gefechtsübungszentrum (GÜZ) in der Altmark spielt als modernster Truppenübungsplatz Europas eine entscheidende Rolle für die Kriege der Nato-Staaten. Auf dem 230 Quadratkilometer großen Militär-Gelände wird Krieg mit hochgerüsteter Technik und lasersimulierten Waffensystemen geübt und vorbereitet. Deutsche Soldat*innen bereiten sich hier auf Auslandseinsätze in unterschiedlichen Regionen vor. Der Betreiber „Rheinmetall Dienstleistungszentrum Altmark“ vermietet das Gelände an die Bundeswehr und die Armeen anderer Nato-Mitgliedsstaaten, ist Dienstleister der gesamten Technik und Logistik und leistet die Vorarbeit für die militärischen Analysen. Hier wird Krieg geübt, ausprobiert, vorbereitet. Wie in den vergangenen Jahren gibt es auch 2016 ein antimilitaristisches Camp in der Nähe vom GÜZ. Das GÜZ soll als zentraler Ort der Kriegsvorbereitung sichtbar gemacht und mit unterschiedlichen Aktionen soll der „Normalbetrieb“ – die gut geschmierte Kriegsmaschinerie gestört und blockiert werden. Außerdem ist das Camp ein Ort der Diskussion und des Austausches verschiedenster antimilitaristischer Aktivist*innen. (Quelle: http://nowar.blogsport.de/2016/06/16/war-starts-here-camp-2016/)

Erfahrungsbericht:

Unter dem Motto “War Starts Here -Let´s stop it here!” fand auch dieses Jahr wieder ein Aktionscamp nahe des NATO-Truppenübungsplatzes in der Altmark statt. So sehr es sich die Bundeswehr zum Ziel gesetzt zu haben scheint, das einige Hektar große und über 30km lange Stück Land, auf dem bereits vor dem 2. Weltkrieg Kriegssituationen inszeniert und geübt wurden, der öffentlichen Aufmerksamkeit fern zu halten, so sehr versucht das “War Starts Here-Camp” auf eben dessen Existenz aufmerksam zu machen. Da alle NATO-Soldaten vor internationalen Einsätzen auf dem GÜZ trainieren müssen, ist dieser Ort in der idylischen Heide im Norden Deutschlands ein zentraler Punkt für das Militär.

Die Vorbereitungen für den Krieg laufen hier auf Hochtouren – so scheint es auf jeden Fall, wenn man sich die Entwicklung der sich in der Heide auftuenden hochmodernen Stadt, Schnöggersburg, ansieht. Horrende Summen wurden besonders in den letzten Jahren in den Bau dieser vielfältigen und wachsenden Stadt gesteckt. Eine Stadt mit verschiedenen Vierteln, Moscheen und einem U-Bahn-Netz. Die Stadt wird nachts beleuchtet und im Winter beheizt, berichtete man mir. Und so wie der Krieg dort geübt wird, wird im “War Starts Here”-Camp jedes Jahr im Sommer für ein paar Tage in Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden die Anti-Kriegs-Debatte weitergeführt und -gedacht. Während des Camps planen die AktivistInnen die Abschlussaktion, die meist auf dem GÜZ selbst stattfindet.

In unserem Studium lernen wir viel über Theorien und akademische Ansätze zu Konflikten, Kriegen, und reflektieren die Rolle des Militärs und anderer Akteure in Kriegs- und Friedensprozessen. Oft habe ich aber das Gefühl, dass ich mir mit dieser kritischen Reflektion, die aber eben nur auf akademischer Ebene bleibt, auf praktischer Ebene immer mehr selbst im Weg stehe. Entwaffnet durch einige Semester rein akademischer Auseinandersetzung mit all den brennenden Themen, war mir klar, dass ich mich endlich wieder konkret und handfest einbringen wollte. Ich hatte das Bedürfnis, selbst wieder aktiv für etwas zu stehen zu wollen. Dies war mein Beweggrund, der mich zum “War Starts Here”-Camp führte.

Mit all den Reflektionen über und zum Teil auch großen Zweifeln an Aktivismus im Hinterkopf, war es für mich besonders interessant, die Beweggründe der einzelnen Aktivisten zu erfahren. Spannend war, dass so viele unterschiedliche Auffassungen dessen, was mit der Teilnahme erreicht werden sollte, auf dem Camp versammelt zu sein schienen. JedeR Einzelne hatte unterschiedliche Ziele, Absichten, Beweggründe, die auf unterschiedlichen Weltanschauungen und Hintergründen aufbauten und sich doch alle in einem klaren “Nein zu Krieg und menschen-verachtenden und -vernichtenden Machtspielen” vereinen ließen.

Für mich noch nicht klar ist, welche konkreten Ziele die Aktion für mich erreichen sollte und so halte ich es mir weiterhin offen, nächstes Mal bei der finalen Aktion selbst teilzunehmen oder nicht. Ich weiß jedoch, dass es wichtig für mich ist, immer wieder auch den rein akademischen Raum des Hypothetischen und Abstrakten zu verlassen und in die praktische Aktion zu gehen, beziehungsweise mit Aktivisten in Kontakt zu treten und sich von deren Ansichten inspirieren zu lassen. In der Teilnahme am Camp sehe ich die Möglichkeit zu Austausch mit Aktivisten, ein Zusammenkommen mit Menschen, die bereit sind aktiv und klar für ihre Werte und Ziele zu stehen, eine andere, neue Perspektive auf meine Rolle in unserem Fachbereich und dem gesellschaftlichen System, sowie natürlich die Möglichkeit dem akademischen Relativismus zu entkommen und gegebenfalls auch selbst Gesicht zu zeigen.

Weitere Informationen zum Camp findet ihr hier:

http://nowar.blogsport.de/2016/06/16/war-starts-here-camp-2016/